Über die Initiative

Initiative

2020 sammelte eine Petition knapp 5.000 Unterschriften, um das Haus Marlene Poelzig vor dem drohenden Abriss zu retten und die Aufnahme in die Berliner Denkmalliste zu bewirken, und die Initiative Haus Marlene Poelzig gründete sich. Sie traf sich regelmäßig, schmiedete Pläne und entwickelte Visionen. Seit Sommer 2021 schlossen sich Mitstreiter*innen unterschiedlicher Disziplinen und Generationen an: Bürger*innen, Institutionen, Expert*innen aus Baukultur und Denkmalschutz sowie Vertreter*innen aus Kunst und Politik, darunter Nachfahren der Poelzigs und der Landschaftsarchitektin Herta Hammerbacher. Auch das Landesdenkmalamt Berlin hat den Prozess unterstützt, strategisch und finanziell.

Die Initiative Haus Marlene Poelzig möchte das Bewusstsein für das Leben und Werk der Künstlerin und Architektin Marlene Poelzig schärfen und setzt sich darüberhinaus insbesondere für die Gleichberechtigung im Bauwesen sowie Transformationen in Denkmalschutz und die Umbaukultur ein.

Ursprünglich wollte die Initiative das Gebäude als einmaliges Denkmal der Emanzipationsgeschichte in der Architektur erhalten und als in Deutschland und weltweit einzigartige Künstlerinnenresidenz wieder zu einem Ort des Zusammenlebens, des Austauschs und der Diskussion von „Meisterinnen des Bauwesens“ beleben. Es sollte ein Haus werden, in dem herausragende Persönlichkeiten untereinander und mit einer breiten Öffentlichkeit grundlegenden Fragen der Baukultur nachgehen und neue Ansätze für alle, die am Bau beteiligt sind, aus einer geschlechtergerechten Perspektive entwickeln. Die geplante Künstlerinnenresidenz sollte mit ihrem disziplinübergreifenden Programm dem Geist Marlene Poelzigs verpflichtet sein und zugleich die Gleichstellung von Architektinnen und Bauschaffenden fördern. Denn seit mehr als 100 Jahren sind Frauen zwar im Architektenberuf tätig und stellen aktuell im Rahmen des Architekturstudiums sogar die Mehrheit der Studierenden, doch im Berufsleben sind nach wie vor die Männer in der Mehrzahl. 

Mit der Veranstaltungsreihe „Mother of all Arts/Mutter aller Künste“ 2021/22 skizzierte die Initiative diesen Geist und die oben genannten Themen der künftigen Künstlerinnenresidenz. Auch nach dem Abriss bleiben die Vision und die gemeinsame Aufgabe einer gleichberechtigen Zukunft in Bauwesen und Baukultur.

Foto 1,2 & 4: Inititive Haus Marlene Poelzig, 2023
Foto 2: Felix Zohlen 2023
Foto 4: Timotheus Theisen, 2023

Marlene POELZIG

Marlene Poelzig (geborene Moeschke, 1894-1985) war eine deutsche Bildhauerin und Architektin. Mit ihrem Mann, dem Architekten Hans Poelzig, verband sie eine enge und künstlerisch sehr fruchtbare Partnerschaft. 1920/21 gründeten sie gemeinsam das Bauatelier Poelzig. Marlene Poelzig führte es nach Hans‘ Tod 1936 zunächst alleine fort und löste es 1937 auf.

Anders als viele Frauen ihrer Zeit konnte sie bauen und war u.a. am Haus des Rundfunks an der Berliner Masurenallee, an den Entwürfen für das Berliner Messegelände und an Hans Poelzigs Einfamilienhaus für die Stuttgarter Weißenhofsiedlung von 1927 beteiligt. Das Wohn- und Atelierhaus des Architektenpaares in Berlin-Westend entwarf sie allein. Zwar ist ihr Beitrag zu den Großprojekten ihres Mannes Hans Poelzig, unter denen Theaterbauten für Max Reinhardt und Stummfilme unter der Regie von Paul Wegener hervorragen, unumstritten, doch wurde sie, anders als ihr weltberühmter Mann, nicht gebührend in das Geschichtsnarrativ eingeschrieben.

 

Abb-1-Marlene_Moeschke

Portrait Marlene Poelzig
Foto: Erbgemeinschaft Marlene Poelzig Hamburg, Fotograf*in und Datierung unbekannt

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